14. Mai 2013
Beitrag auf der Konferenz „Krise in Europa: Eine Gefahr für Demokratie und Solidarität?“ der RLS Bayern/Kurt-Eisner-Verein 03. - 05. Mai 2013 in Nürnberg
Zuerst wäre zu fragen – was verstehen wir unter Demokratie? Gemeinhin wird darunter eine Art der Ausübung der politischen Macht, meist als Staatsform, verstanden, in der die Legislative durch Mehrheitsentscheidungen eingesetzt wird und das Handeln durch die auf diesem Wege entstandenen Gesetze allgemein geregelt wird. Demokratie wird mit der Institution der gleichen und geheimen Wahlen, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und andere Grundrechten verbunden. Demokratie erscheint als ein Katalog von Verhaltens- und Verfahrensweisen und Institutionen. Tatsächlich ist sie aber vor allem die Fixierung einer Machtbalance in einer bestimmten Form. Die notwendige Kehrseite der Demokratie ist so die Repression gegen Minderheiten, die verschiedenen Formen ihrer Unterordnung unter den Mehrheitswillen vor allem mit Hilfe des staatlichen Gewaltmonopols.Der Maßstab für die Bewertung des Zustandes der Demokratie in einem Staat oder eben auch in der EU liegt letztlich immer darin, welche Spielräume sie für das politische Handeln der einzelnen sozialen Gruppen eröffnet. Den ganzen Beitrag lesen »
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14. Mai 2013
Gemeinhin stehen in der Traditionslinie der sich auf Marx berufenden Strömungen Owen, Fourier und andere nebeneinander. In der Realität standen sie gelegentlich miteinander aber auch in heftigem Streit. Owens heutiger Geburtstag soll Anlaß sein, auf diese interessante Auseinandersetzung kurz einzugehen.
An einer Stelle nur geht Marx auf die diese Differenz zwischen Fourier und Owen ein. In den Theorien über den Mehrwert (geschrieben 1862/63) heißt es:
„In der R[icardo]schen Periode der politischen Ökonomie zugleich der Gegensatz, Kommunismus (Owen) und Sozialismus (Fourier, St.-Simon. Letzterer nur noch in his first beginnings).“ (MEW 26.3 S. 234)
Die Herausgeber dieser Manuskripte hielten diese Notiz offensichtlich für keine einfache Randglosse, auch wenn das Problem ja nicht weiterentwickelt wird. Marx behandelt diese Frage nicht, da sie aus seinem Gegenstand, der Kritik der Politischen Ökonomie, also der bürgerlichen Ökonomie fällt. Die von Marx hier vorgenommene Unterscheidung ist zu dieser Zeit offensichtlich Gemeingut – auch Meyers Konversationslexikon dieser Zeit nimmt sie vor. Den ganzen Beitrag lesen »
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7. Mai 2013
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5. Mai 2013

Marx in Halle-Neustadt
1. Auch wenn man jetzt wieder öfter über Marx spricht – die von ihm begründete theoretische Richtung ist damit bei weitem nicht anerkannt. Das hat zwei Ursachen, die ihm zur Ehre gereichen. Für den Mainstream, also für die Herrschenden oder die, die gerne regieren würden, ist die Konsequenz der eigenen Vergänglichkeit und Begrenzungen, das klare Aussprechen von Gegensätzen in der Gesellschaft abstoßend. Für die Alternativen sind diese Seiten, soweit das die Anderen betrifft, anziehend. Sie weichen oft der Tücke der Dialektik aus – nämlich der Erkenntnis, dass auch wir Teil des Problems sind, dass die bürgerliche Gesellschaft aus sich heraus ihre Gegenkräfte hervorbringt, also unsere Alternativen heute nur Fleisch vom Fleische des Kapitalismus sein können. Das, was „danach“ kommt ist schlichtweg nur in sehr groben Zügen vorherzusagen.
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30. April 2013
Heute belehrt uns und die Welt das Morningbriefing des Handelsblatt über Frankreich: “… unser Nachbar Frankreich hat bessere Tage gesehen: Sein Anteil am Welthandel ist in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel gefallen. Allein die französischen Autobauer haben seit 2005 rund 40 Prozent ihrer Produktion eingebüßt. In einem internen Papier des Wirtschaftsministeriums, das uns vorliegt, wird die Lage schonungslos analysiert. Die Gründe des Verfalls, die von überzogenen Lohnabschlüssen bis zur Hochsteuerpolitik reichen, werden ebenfalls offen benannt.” Abgesehen von der Wahlkampfrelevanz dieser Feststellung wirft das Blatt damit eine interessante Frage auf - warum nämlich die forcierte Finanzialisierung und Globalisierung die Täter so verschieden trifft. Interessant auch, dass praktisch zeitgleich ein Papier des französischen Sozialisten Claude Bartolone bekannt wurde, in dem er sich für für eine “Konfrontation” mit Merkel ausspricht. Den ganzen Beitrag lesen »
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29. April 2013
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23. April 2013
Egor Gajdar war einer der Exponenten der Schocktherapie im Russland der ersten Hälfte der neunziger Jahre. Er steht bis heute für politische und konzeptionelle Linie der „Liberalen“, was in etwa der neoliberalen Strömung in anderen Weltregionen entspricht. Das sich Russland nach Aussagen verschiedener WissenschaftlerInnen immer in Extremen bewegt, repräsentiert er in extremer Weise den Glauben an die Allmacht des Marktes, bei vorsichtiger Rahmensetzung durch den Staat. Der russische Wirtschaftshistoriker R. Belousov hebt hervor, dass Gajdar seinen Aufstieg unter Elzin vor allem dem Fakt zu verdanken hatte, dass er schnell und bedenkenlos handeln wollte.“ Er merkt an, dass die Gruppierung vor allem von jungen Theoretikern (Gajdar war Jahrgang 1956), die stark beeinflusst von neoliberalen Ideen und weitgehend ohne nähere Kenntnis der ökonomischen Praxis waren. Nichts desto trotz fand und findet Gajdar mit seinen Positionen bis heute starke Unterstützung aus dem politischen, wirtschaftlichen und akademischen Raum. Letztlich ist seine Strömung im Moment noch die, die die Politik der russischen Regierung sehr weitgehend bestimmt. Gajdar selbst verstarb bereits 2009 (http://de.wikipedia.org/wiki/Jegor_Timurowitsch_Gaidar). Sein politisches und wissenschaftliches Erbe wird durch das Gajdar-Institut repräsentiert. Auf dem Wirtschaftsforum der Gajdar-Stiftung im Januar 2013 trat die erste Garnitur der russischen Politik auf (einschließlich des Ministerpräsidenten) sowie führende Vertreter internationaler Organisationen auf. Den ganzen Beitrag lesen »
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18. März 2013
Vier Jahre ist nun der letzte Besuch in Moskau her. Also erst einmal einen Rundgang dur Nichtpostkarten- und Postkartenmoskau machen. Man merkt das vor allem an der eigenen Sprechfähigkeit und daran, dass einem die gesprochene Sprache der einheimischen schrecklich schnell vorkommt. Und das man die Lage von Metroeingängen vergisst.
Ansonsten ist alles, wie es im März sein soll – noch kalt, Schnee. Die Metro fährt – z.T. noch mit den gleichen Wagen wie vor Jahrzehnten, ob alt oder neu aber immer laut. Und die MoskauerInnen sind MoskauerInnen, vor allem in der Metro. Den ganzen Beitrag lesen »
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14. März 2013
Der heutige Jahrestag des Todes von Karl Marx sollte auch Anlass sein, sich daran zu erinnern, wie Marx zu den Erkenntnissen kam. Sein Hauptwerk nannte sich nicht umsonst „Kritik der politischen Ökonomie“. Kritik war hier Methode der Forschung, des eigenen Lernens und der Darstellung gleichermaßen. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt „Das Kapital“ kann man einige Punkte festhalten, die bei den Debatten um Pluralismus in ökonomischer Lehre und Forschung bedenkenswert sein könnten.
In Reflexion des Workshops zu diesen Fragen vom Ende des vergangenen Jahres möchte ich vor allem folgende Punkte hervorheben. Sie beschreiben aus einer an Marx orientierten Sicht mögliche Schnittmengen zwischen bzw. zu den heterodoxen Richtungen, die sich in Opposition zur Mainstream-VWL herausgebildet haben. Den ganzen Beitrag lesen »
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4. März 2013
In der aktuellen Wirtschaftswoche gibt Anne Kunz auf den Seiten 42 und 43 dem Bedauern über die Abwicklung der Wirtschaftsgeschichte an den bundesdeutschen Universitäten Raum. Das iust zweifelsfrei ehrenwert. Nun stimmt es aber nicht, dass Wirtschaftsgeschichte erst seit 1995 abgewickelt wird. Die erste Welle der Abwicklung fällt mit der Zerschlagung der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung der DDR zusammen. Hier war Wirtschaftsgeschichte regulärer Bestandteil der Grundausbildung von ÖkonomInnen. Ein zweites Problem – es ist nicht richtig, dass man mit Wirtschaftsgeschichte Krisen vorhersagen oder gar verhindern kann. Das Wissen über Krisen der Vergangenheit ist sicher wichtig. Krisen erwachsen aber nie aus der Wiederholung von Geschichte, sondern aus der Logik der Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse. Wirtschaftsgeschichte ist wichtig, um sich als Teil von Entwicklung zu verstehen, somit auch der Relativität eigenen Wissens und Könnens bewußt zu werden. Nicht die Fakten sind wichtig, sondern das Sehen und Verstehen des beständigen Werdens, Vergehens und NeuWerdens. Und das Verstehen, dass es im Rahmen eines bestimmten gesellschaftlichen Bedingungs- und Widerspruchsgefüges Krisenvoraussetzungen immer wieder reproduziert werden. Wirtschaftsgeschichte zeigt vor allem auch, wie sich soziale Schichten konstituieren, wirtschaftliche und politische Macht in wechselwirken und damit immer wieder Neues, Ungeahntes und für die Heutigen auch Unerhörtes entstehen kann und MUSS – um den Preis der Untergangs.
Wenn natürlich die Meinung vorherrscht, es gäbe keine Geschichte – oder man sei selbst deren Endpunkt - scheint Wirtschaftsgeschichte entbehrlich. Dies ist bei der gnomhaften deutschen Volkswirtschaftslehre zweifelsfrei der Fall. Dann wird Wirtschaftsgeschichte mit Arbeit in Firmenarchiven identifiziert. Sie entzieht sich aber derartiger linearer Nutzung. Sie ist ein Fach, das vor allem der Qualifizierung der Lehre und des Lernens dienen muß.
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