Gerade erschienen: Das Kommunistische

kommunismus In diesem Buch soll es ausdrücklich um das KOMMUNISTISCHE gehen, nicht um den Kommunismus. Der Unterschied mag haarspalterisch scheinen. Gemeinhin wird im Begriff des Kommunismus Praxis und Gesellschaftskonzept gleichermaßen erfasst. Das ist möglich, verstellt aber den Blick auf das Werden und die Entwicklung von so bezeichneten Verhältnissen.
Im abschließenden Beitrag von Brie/Brangsch heißt es: „Letztlich ist es das Werden des Kommunismus als Entstehen und Vergehen sich kommunistisch oder sozialistisch definierender Praxen, worum es geht. Die Vorstellung, dass realer Kommunismus einfach mit einer Kraftanstrengung und dem richtigen Bewusstsein zu erreichen sei, ist nicht nur durch die Praxis widerlegt. Das dahinter stehende Verständnis von Gesellschaftsveränderung prägte auch den Blick auf das Kommunistische und führte nicht selten zu einer Abwertung der kleinen täglichen Kämpfe. Wenn das 20. Jahrhundert eines gelehrt haben sollte, so, dass die kommunistische Umwälzung nur ein Jahrhundertewerk sein kann, in dem die Menschen, vor allem die, die sich KommunistInnen nennen, beständig lernen und sich verändern müssen. Ist Stillstand für den Kapitalismus tödlich, so gilt dies noch in viel höherem Maße für das Kommunistische. Unter diesem Gesichtspunkt muss man noch konsequenter als Porcaro sagen, dass es nicht nur um den Vorschlag sozialistischer Projekte geht, sondern auch um die Möglichkeit, sie praktisch zu leben. Das Kommunistische erwächst aus dem Alltag – gefordert ist die Fähigkeit, es zu erkennen, unabhängig davon, welche Attribute es sich gibt oder ihm gegeben werden. Das Kommunistische bewährt sich, wenn es sich denn bewährt, als eine transformatorische Praxis, die zugleich Veränderung der eigenen Handlungsbedingungen und Selbstveränderung der Akteure ist. Das aber kann nichts anderes sein als ein langer historischer Prozess mit Brüchen und großen historischen Kontinuitäten.“
Zudem lenkt der „Kommunismus“ oft die Aufmerksamkeit auf die „großen Persönlichkeiten“ und ihr Vorstellungen vom Kommunismus. In diesem Buch soll es aber genau um das Werden, die Entwicklung, die Praxis, um Verhaltensweisen gehen, die mit dem Anspruch des Kommunismus verbunden sind. Das ist freilich nicht absolut durchzuhalten, weil Theorie und Praxis vor allem mit der Entstehung der kommunistischen Strömungen zum Ende des 18. Jahrhunderts in außerordentlich enger Wechselwirkung stehen. Zudem weitete sich im Laufe der Arbeiten der Stoff immer mehr aus. Durch den notwendig begrenzten Raum mussten zahlreiche wesentliche Aspekte, etwa die Auseinandersetzung zwischen dem Kommunismus marxscher und dem anarchistischer Richtung, außer Betracht bleiben oder konnten nur sehr kurz behandelt werden.
Der Teil über die Neue Ökonomische Politik in Sowjetrussland bzw. Sowjetunion wird im Herbst 2016 in anderer und erweiterter Form als eigenständige Studie erscheinen. Diese Studie soll die NÖP und die in ihr präsenten kommunistischen Elemente unter transformationstheoretischem Gesichtspunkt analysieren.
Das Buch ist im VSA-Verlag Hamburg unter dem Titel „Das Kommunistische. Ein Gespenst kommt nicht zur Ruhe“ erscheinen und beinhaltet Beiträge von Friedericke Habermann, Bini Adamczak, Massimo De Angelis, Michael Brie und Lutz Brangsch. (ISBN 978-3-89965-627-5)

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