Das Monopol als Wirklichkeit der freien Marktwirtschaft

In den letzten Monaten wird immer wieder von Kartellstrafen berichtet. Ob Kaffee, Badewannen oder Stahl – irgendwann fliegt in fast allen Bereichen immer wieder ein allzu dreistes Handeln der Unternehmen auf. Nun also die Stahlindustrie – über 18 Jahre soll es Preisabsprachen gegeben haben. Die Strafe in Höhe von knapp 600 Mio. Euro dürfte den Gewinn aus den Absprachen kaum schmälern. Das ist aber noch das Unwichtigste daran. Preisabsprachen bedeutet Verdrängung von Konkurrenten und bedeutet Umverteilung von Ressourcen. Damit aber dürfte auch das Stahlkartell mit zu den Auslösern der Wirtschaftskrise gehören. Das Monopol schafft neue Strukturen und Machtpositionen. Das übrigens war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch der systeminterne rationale Hintergrund für die Freiburger Schule als eine Quelle des Neoliberalismus. Auch Ludwig Erhard sah in der Monopolisierung eine Gefahr. Freilich ist er nicht erfolgreich und politisch auch nicht konsequent gewesen; der Kampf gegen Arbeiterbewegung und Gewerkschaften war allemal wichtiger.
In die Öffentlichkeit kommen ja nur die Kartelle, die Auffliegen, wo also quasi-formelle Absprachen getroffen werden. Das ist aber eben nur die Spitze des Eisberges. Die geschlossene Front gegen bestimmte Formen der Regulierung der Finanzmärkte zeigt uns, wie gut Monopole auf Interessenbasis funktionieren. Das freundlich mit Lobbyismus umschriebene Streben nach Monopolstellungen (politisch und wirtschaftlich), das Handeln der Öl- und Energiekonzerne usw. zeigen uns, das man keine zwielichtigen Treffen braucht, um gemeinsam zu handeln. Die wachsende Macht einzelner Banken durch die Übernahme von Konkurrenten bzw. deren Marktanteile im Zuge der Wirtschaftskrise oder der Fakt, dass vier Ratingagenturen Entscheidungsprozesse in Politik und Wirtschaft bestimmen DÜRFEN trägt wohl auch irgendwie den Charakter von Monopolen. Bei all dem bleiben sie auch Konkurrenten.
Volkswirtschaftslehregestärkte KollegInnen werden mir nun erzählen, dass man da ja zwischen Oligopolen und sonst etwas unterscheiden müsse, dass das ja keine echten Monopole wären usw. usf. Das ist alles ganz nett – ändert aber nichts am Fakt eines interessengeleiteten einheitlichen Handelns sehr unterschiedlicher Akteure. Man kann das auch als Oligarchie bezeichnen.

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